Warum funktioniert Six Sigma oft nicht? Teil 1

21.12.2016

|

Six Sigma

|

keine Kommentare

> zu Teil 2 | > zu Teil 3 | > zu Teil 4

Six Sigma will Prozesse verbessern mittels Statistik und Analytik. Doch trotz des mathematischen Ansatzes steht bei Six Sigma der Projektleiter / die Führungskraft im Zentrum des Geschehens. Ob Six Sigma funktioniert oder nicht, hängt maßgeblich von ihm / ihr ab.

 

Projektarbeit effizienter machen: Die Integration des Unbekannten

Jeder Beitrag dieser Serie beinhaltet eine der vier Fähigkeiten zur Effizienzsteigerung. In diesem ersten Teil geht es mir um bewusste Wertschätzung und Integration des Unbekannten.

Fokussiere auf das Unbekannte

Ein Vorstand erzählte mir einmal, dass er niemanden habe, mit dem er sich über Dinge austauschen kann, bei denen er unsicher ist oder von denen er nicht viel weiß. Ein Mensch in seiner Position, so scheint es, kann und darf keine Fragen stellen. Denn zu einem Chef möchte man jederzeit aufblicken können. Unkenntnis gilt als Schwäche; wer sich unsicher zeigt, macht sich angreifbar.

Verantwortung beinhaltet das Wort „Antwort“. In meiner Arbeit begegnet mir häufig die Vorstellung, dass die Übernahme von Führungsverantwortung bedeutet, Antworten parat haben: „Warum ist der Ausschuss so hoch, Herr Produktionsleiter?“ „Warum sind weniger Buchungen als geplant vorhanden, Herr Akademieleiter?“ „Warum gibt es so viele Logistik-Probleme?“

Studien prognostizieren, dass nur 15 Prozent von dem, was wir heute als relevantes Wissen ansehen, in fünf Jahren noch Bedeutung haben wird. Eine spannende Frage dabei ist, welche 15 Prozent es sein werden. Und wie ersetzten wir 85 Prozent unseres heutigen Wissens innerhalb dieser fünf Jahre?

Die Antwort: lebenslanges Lernen

Erfolg in sich verändernden Systemen wird künftig daran gemessen werden, wie schnell wir in der Lage sind, Handlungsalternativen zu entwickeln und in den Alltag zu integrieren. Probieren Sie es aus!

 

Eine Reise ins Unbekannte in 3 Schritten

Schritt 1: Wertschätzung des Nichtwissens

Führungsverantwortung bedeutet nicht mehr, Antworten geben zu müssen. Die Aufgabe einer Führungskraft ist, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Antworten gefunden werden können. Mit anderen Worten: Eine Wertschätzung für das zu entwickeln, was ich nicht weiß.

Beispiel: „Was ist mir in Bezug auf ein wichtiges Thema (z. B. Funktionieren von Six Sigma) heute unbekannt, dessen Antwort mich meiner Lösung (Six Sigma funktioniert) näherbringt?“

Schritt 2: Liste schreiben von 7 Dingen, die ich nicht weiß

Fragen verleihen der Unkenntnis einen Wert. Nicht-Wissen wird plötzlich wertvoll, weil „Wissen zu erlangen“ als bedeutungsvolles Ziel sichtbar wird.

Schritt 3: Fordern Sie Ihr Team heraus

Suchen Sie nicht alleine nach Antworten auf Ihre Fragen, sondern nutzen Sie Ihr Team. Die gemeinsame Suche nach Lösungsalternativen verteilt die Aufgabe auf viele Schultern, anstatt nur einen damit zu belasten. Unterschiedliche Erfahrungen ergänzen eigene Sichtweisen.

Hier finden Sie eine praktische Anleitung und eine Liste, mit deren Hilfe Sie lernen, auf Unbekanntes zu fokussieren und es als Kapital zu integrieren:

Fazit:

Eine der Gründe, warum Six Sigma oft nicht funktioniert, liegt in der Furcht vor dem Unbekannten. In der Bibel (Sprüche 4,23) heißt es: „Was ich Dir jetzt rate, ist wichtiger als alles andere. Achte auf Deine Gedanken, denn sie entscheiden über Dein Leben.“ Mit unseren Gedanken können wir das, was uns als Schwäche erscheint, in Stärke umwandeln: Durch Wertschätzung wird die Unkenntnis von heute zum Grundstein für den Erfolg von morgen. Als Frage formuliert, erhält Nicht-Wissen Bedeutung; sucht man im Team statt im Alleingang nach Antworten, erhöht das die Chance, verschiedene Sichtweisen und Erfahrungen in Lösungsmöglichkeiten abzubilden.

 

Weiterlesen: In der Reihe „Warum funktioniert Six Sigma oft nicht“ – Teil 2 schreibe ich über: Fokussiere auf Beziehungen. Hierbei geht es u. a. um Konflikte als Ressourcen.

Fragen und Anregungen berücksichtige ich gerne.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Eine positive Grundstimmung in den Kommentaren ist mir wichtig, daher behalte ich mir vor, nicht hilfreiche oder grenzwertige Äußerungen nicht zu veröffentlichen.